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Ruhestandsplanung

Depot oder Polizze? Warum diese Entscheidung für Frauen in Österreich besonders viel mit guter Finanzplanung zu tun hat

Finanzielle Unabhängigkeit im Alter beginnt nicht erst mit dem Pensionsantritt. Sie entsteht viel früher. Genau dort entscheidet sich oft auch, ob ein Depot oder eine Polizze besser zur Lebensrealität wie den gewünschten Plänen passt. Gerade für Frauen ist diese Frage in Österreich besonders relevant. Denn die Pensionslücke ist deutlich: 2024 lagen die durchschnittlichen Alterspensionen von Frauen um 40,3 % unter jenen der Männer, gemessen am Median sogar um 46,7 %. Gleichzeitig lag der Gender Pay Gap – also die Einkommensdifferenz zwischen den Geschlechtern - 2024 bei 17,6 %. Dazu kommt ein dauerhaft hoher Teilzeitanteil von Frauen. Gute Finanzplanung muss diese Ausgangslage ernst nehmen und Lösungen wählen, die nicht nur rechnerisch, sondern auch biografisch passen.

Steuern sind wichtig. Lebensrealität ist entscheidend.

Depot und Polizze verfolgen auf den ersten Blick generell dasselbe Ziel: Vermögen aufbauen. In der Pensionsvorsorge ist diese Entscheidung dennoch selten neutral. Der Grund liegt vor allem in der steuerlichen Behandlung. Beim Wertpapierdepot fällt auf realisierte Gewinne Kapitalertragsteuer von 27,5 % an. Bei der fondsgebundenen Lebensversicherung steht zunächst die Versicherungssteuer im Raum. Bei langfristig gedachten Laufzeiten kann die Polizze dadurch aber erhebliche Vorteile in der Nettobetrachtung erzielen.

Noch wichtiger ist die zweite Ebene. Frauen sparen oft nicht entlang gerader Linien. Teilzeit, Karenz, Betreuung, Pflege, Jobwechsel oder spätere Neustarts machen Finanzplanung beweglicher. Genau deshalb sollte die Frage nicht lauten, welches Produkt theoretisch eleganter ist. Sie sollte lauten, welche Struktur zu Einkommen, Zeithorizont, Liquidität und Flexibilitätsbedarf passt.

Drei Lebensphasen, drei Entscheidungen

Anna ist 25, startet ins Berufsleben und will sich noch nicht festlegen. Vielleicht steht noch ein Umzug an. Vielleicht ein Masterstudium. Vielleicht ein Arbeitgeberwechsel. Sie beginnt trotzdem mit 250 Euro monatlich und baut Vermögen langfristig auf. Gerade in so einer frühen Phase spricht viel für eine Lösung, die steuerlich sauber aufgesetzt ist und langfristig besser wirkt. Das zeigt auch das konkrete Rechenbeispiel: Bei 250 Euro monatlich über 25 Jahre werden insgesamt 75.000 Euro eingezahlt. Im Wertpapierdepot ergibt sich bei 6 % Rendite eine Auszahlung von 169.895 Euro. Der Gewinn von 94.895 Euro wird jedoch mit 27,5 % KESt belastet, also mit 26.096,13 Euro. In der Polizze fällt stattdessen die Versicherungssteuer an; über die Laufzeit summiert sie sich im Beispiel auf 2.886 Euro. Gerade für Kundinnen wie Anna wird damit sichtbar, wie stark die steuerliche Struktur das Nettoergebnis über lange Zeiträume prägen kann.

Sabine ist 40, hat Familie und einen guten Job. Sie plant 450 Euro monatlich für die Pensionsvorsorge ein und leistet zu Beginn zusätzlich 10.000 Euro. Gleichzeitig weiß sie, dass das Leben nicht jeden Monat gleich verläuft. Beiträge erhöhen, senken oder einmal pausieren zu können, ist für sie kein Nebenthema, sondern Voraussetzung.

In diesem Szenario zeigt sich der praktische Wert der Polizze besonders klar. In der Ansparphase wächst das Kapital trotz Versicherungssteuer langfristig stärker. In der Entnahmephase wird der Unterschied noch deutlicher: Während das Beispieldepot bei einer monatlichen Entnahme von 1.500 Euro vorzeitig aufgebraucht ist, bleibt in der Versicherung das Anlageguthaben über den gesamten Zeitraum erhalten. Für Frauen mit längerer Lebenserwartung ist genau das mehr als ein Rechenvorteil. Es ist ein Sicherheitsargument.

Monika ist 50, besitzt eine Eigentumswohnung und erhält eine Erbschaft. Sie will 200.000 Euro langfristig veranlagen, aber trotzdem handlungsfähig bleiben. Vielleicht steht eine Renovierung an. Vielleicht braucht die Familie Unterstützung. Vielleicht ändern sich die eigenen Pläne.

Auch hier zeigt die Beispielrechnung ein klares Bild. Bei langfristiger Laufzeit arbeitet die steuerliche Struktur der Polizze für die Kundin. Das Kapital entwickelt sich über die Jahre deutlich besser als im Depot. Für Berater ist das ein wichtiger Punkt: Wer Vermögen für die Pension ordnen will, sollte nicht nur auf Produktkosten oder kurzfristige Verfügbarkeit schauen. Die Steuerwirkung über Jahrzehnte kann den Unterschied machen.

Fünf Impulse für Ihre Beratung

  1. Wie groß ist die eigene Pensionslücke der Kundin – und wie viel davon ist heute schon sichtbar?

  2. Wie wahrscheinlich sind Phasen mit reduzierter Sparleistung, Karenz, Pflege oder Teilzeit?

  3. Ist Liquidität auf anderen Konten vorhanden, sodass die Pensionsvorsorge langfristig investiert bleiben kann?

  4. Wie soll die Entnahmephase aussehen – und wie lange muss das Kapital voraussichtlich tragen?

  5. Wurde die steuerliche Wirkung über die gesamte Laufzeit sauber mitgerechnet oder nur der Einstieg verglichen?

Warum der Gender Pension Gap den Blick für das Thema “Frauen & Finanzen” schärft

Zahlen sprechen eine klare Sprache. Frauen verdienen im Schnitt weniger, arbeiten deutlich häufiger Teilzeit und beziehen später wesentlich niedrigere Pensionen. Für 2024 lag die Teilzeitquote von Frauen in Österreich bei 51,1 %, bei Männern bei 13,7 %. Wer diese Realität in der Beratung ausblendet, plant an der Lebenswirklichkeit vieler Kundinnen vorbei. 

Deshalb ist die Frage „Depot oder Polizze?“ für Frauen häufig enger mit guter Finanzplanung verbunden als für Männer mit durchgehender Vollzeitkarriere. Es geht um Nettoergebnisse nach Steuer. Es geht um Durchhaltefähigkeit in wechselhaften Lebensphasen. Damit geht es letztlich um eine Struktur, die auch dann trägt, wenn Erwerbsbiografien weniger geradlinig beziehungsweise eben individuell verlaufen.

Finanzplanung für ein gutes Leben

Das Leben hat viel zu bieten. Damit sich alle Lebensträume erfüllen lassen, ist finanzielle Sicherheit wichtig. Egal, ob es um den Vermögensaufbau oder die finanzielle Planung der Pension geht.

Quellen:

  • Standard Life Präsentation „Depot vs. Polizze“, Standard Life Österreich / Andreas Fromm: Beispiele Anna, Sabine und Monika sowie Vergleichsrechnungen zu Depot und fondsgebundener Lebensversicherung.

  • Statistik Austria, Factsheet Gender-Statistik: Pensionen – durchschnittliche und mediane Alterspensionen 2024.

  • Statistik Austria, Gender-Statistik: Einkommen – Gender Pay Gap 2024.

  • Statistik Austria, Gender-Statistik: Erwerbstätigkeit – Teilzeitquote 2024.

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