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Ruhestandsplanung

Mit der Pension beginnt mehr als Freizeit Warum mentale Gesundheit in Österreich Teil jeder guten Finanzplanung sein sollte

Der letzte Arbeitstag ist oft gut vorbereitet. Termine sind übergeben, die Abschiedsworte gesagt, die Unterlagen zur Pension geordnet. Und doch fühlt sich der erste Montag danach für viele Menschen anders an als gedacht. Kein Anruf aus dem Büro. Kein fixer Takt. Keine Rolle, die über viele Jahre selbstverständlich war.

Mit dem Pensionsantritt endet nicht nur Erwerbsarbeit. Es verändert sich eben auch ein Stück persönlicher Identität und Gefühlswelten. Deshalb greift es in der Beratung auch zu kurz, nur über Einkommen, Veranlagung und Steuerfragen zu sprechen. Gerade in Österreich wird dieser Blick künftig breiter werden müssen. Denn bereits 2023 waren 1,8 Millionen Menschen beziehungsweise 19,7 % der Bevölkerung 65 Jahre oder älter. Bis 2030 soll diese Gruppe auf rund 2,17 Millionen anwachsen. Gleichzeitig lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei 84,2 Jahren für Frauen und 79,4 Jahren für Männer (2023) und das tatsächliche durchschnittliche Pensionsantrittsalter bei 61,52 Jahren (2024). Vom Ende des Berufslebens bis zu den vielen Jahren danach erstreckt sich zum Glück also noch eine lange Lebensphase. Diese muss einerseits finanziert, andererseits möglichst auch aktiv gestaltet werden.

Mit dem Pensionsantritt beginnt ein Rollenwechsel

Für viele Kundinnen und Kunden ist die Pension zunächst ein finanzielles Thema. Wie hoch wird das verfügbare Einkommen sein? Reicht das Vermögen? Wie lange trägt die Vorsorge? Diese Fragen bleiben zentral. Aber sie beantworten nur einen Teil dessen, was in dieser Lebensphase tatsächlich zählt. Denn mit dem Ende des Berufsalltags fallen oft auch Struktur, soziale Anerkennung und ein vertrauter Rhythmus weg. Das muss nicht negativ sein. Es kann sogar befreiend wirken. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten entsteht Raum für eigene Prioritäten, für Familie, Reisen, Ehrenamt oder Projekte, die immer aufgeschoben wurden. Aber dieser neue Freiraum füllt sich nicht von selbst. 

Genau diesen Gedanken greifen wir bei Standard Life auf. Wir beschreiben den Ruhestand ausdrücklich nicht als „Ende“ der Erwerbsarbeit. Wir sehen vielmehr darin den Beginn von etwas Neuem, ein „zweites Leben“ sozusagen. Denn heutige Pensionisten haben oft noch zwei bis drei Jahrzehnte nach dem Berufsleben vor sich. Zugleich eröffnet dieser neue Lebensabschnitt Zeit für neue Routinen, Weiterbildung, Vereinsleben oder Projekte, die im Erwerbsleben zu kurz kamen. Das ist für die Beratung ein wertvoller Gedanke: Wer viele Jahre nach dem Job vor sich hat, braucht nicht nur Kapital, sondern auch Richtung – und mitunter auch Inspiration.

Geld ist die Basis – Sinn und Beziehungen schaffen Stabilität

Genau hier liegt ein wichtiger Hebel für die unabhängige Finanzberatung und Ruhestandsplanung. Ein solides Finanzkonzept nimmt Ängste vor finanziellen Engpässen. Es schafft Sicherheit. Aber Sicherheit allein ist noch keine innere Stabilität. Wer morgens nicht mehr weiß, wofür er aufsteht, erlebt selbst ein gut finanziertes Alter oft nicht als erfüllte Phase. Mentale Gesundheit im Alter hängt daher auch an Fragen, die in klassischen Vorsorgegesprächen leicht zu kurz kommen: Welche Aufgabe soll der Alltag künftig haben? Welche Menschen bleiben tragend? Was gibt Sinn, wenn die berufliche Rolle wegfällt? 

Gerade soziale Beziehungen verdienen in Österreich mehr Aufmerksamkeit. Das Gesundheitsportal Österreichs weist darauf hin, dass sich mit zunehmendem Alter soziale Kontakte durch körperliche Einschränkungen verringern können. Die „Österreichische Interdisziplinäre Hochaltrigenstudie“ zeigt, dass rund 16 % der befragten Personen ab 80 Jahren zumindest gelegentlich von Einsamkeit betroffen sind. Gleichzeitig zeigt sich aber auch die andere Seite: In Österreich engagieren sich bei der Generation 50 plus rund 57 % freiwillig. Ehrenamt, Vereine, Nachbarschaft, Familie oder Weiterbildung sind also Beschäftigung und gleichermaßen ein starkes Gegengewicht zu Rückzug und Isolation.

Was gute Finanzplanung daraus machen kann

Beratung wird dadurch nicht gleich „therapeutisch“. Aber sie wird menschlich klüger. Gute Gespräche zur Pension sollten vor allem nicht erst kurz vor dem Pensionsantritt beginnen und nicht bei der Frage nach der Auszahlungsphase enden. Sie dürfen früher ansetzen und weiter reichen. Zum Beispiel mit Fragen wie: Wie soll ein guter Tag in der Pension konkret aussehen? Welche sozialen Kontakte sollen bewusst erhalten bleiben? Gibt es Pläne für eine neue Aufgabe, für Lernen, Reisen oder ein Engagement? Wie stark ist das familiäre Netz? Und was passiert, wenn Gesundheit oder Mobilität nachlassen? 

Solche Fragen eröffnen neue Gesprächsräume, die im Kern hochrelevant für gute Finanzplanung sind. Denn wer Langlebigkeit nur als finanzielles Risiko versteht, greift zu kurz. Langlebigkeit ist eben auch eine emotionale Aufgabe. Es geht darum, viele zusätzliche Jahre nicht nur zu finanzieren, sondern mit Struktur, Zugehörigkeit und Selbstbestimmung zu füllen. Genau hier kann Ihre Beratung echten Mehrwert schaffen: Sie hilft Kundinnen und Kunden, ihre zweite Lebensphase bewusst zu entwerfen, statt nur in sie hineinzurutschen. Wer sich regelmäßig beraten lässt, fühlt sich einer Studie unserer irischen Standard Life-Kollegen zufolge deutlich positiver in Bezug auf die eigenen Finanzen und blickt häufiger mit Zuversicht auf die Pension.

Warum das Thema für Beraterinnen und Berater relevanter wird

Dieser Impuls passt zu einem ganzheitlichen Beratungsverständnis, das letztlich nicht nur Zahlen ordnet, sondern persönliche Orientierung durch die komplette Pensionsphase vermittelt. Gemeint ist damit ein Ansatz, der die finanzielle und die menschliche Seite des Geldes zusammenbringt. Genau darin liegt eine Chance für die unabhängige Beratung hierzulande. Wer neben Rendite, Entnahme und Vermögensstruktur, auch Übergänge, Beziehungen und Lebensziele anspricht, wird für Kundinnen und Kunden relevanter. 

Die Pension ist letztlich kein Endpunkt. Sie ist ein Übergang in eine neue Lebensphase. Wer diesen Übergang nur finanziell plant, lässt einen zentralen Teil der Wirklichkeit aus. Wer ihn auch mental, sozial und alltagsnah denkt, schafft die bessere Grundlage für ein selbstbestimmtes, stabiles und erfülltes Leben im Alter. Genau darin liegt ein starker Ansatzpunkt: gute Finanzplanung sowohl als Absicherung von Einkommen wie auch als Begleitung in eine lange, offene und wertvolle Lebensphase zu verstehen.

Demografie, Pension, Lebensgefühl … in Zahlen

  • 1,8 Mio. Menschen bzw. 19,7 % der Bevölkerung in Österreich waren 2023 bereits 65 Jahre oder älter.

  • Bis 2030 dürfte die Zahl der Über-65-Jährigen auf 2,17 Mio. steigen.

  • Die durchschnittliche Lebenserwartung lag 2023 bei 84,2 Jahren für Frauen und 79,4 Jahren für Männer.

  • Das tatsächliche durchschnittliche Pensionsantrittsalter lag 2024 bei 61,52 Jahren.

  • Rund 16 % der befragten Personen ab 80 Jahren sind zumindest gelegentlich von Einsamkeit betroffen.

  • Bei der Generation 50 plus engagieren sich in Österreich 57 % freiwillig.

Fünf Impulse für gute Beratungsgespräche

  • Woran soll ein guter Tag in der Pension konkret erkennbar sein?

  • Welche sozialen Kontakte sind heute tragend und wie lassen sie sich im Alter aktiv erhalten?

  • Welche Aufgabe, welches Projekt oder welches Engagement soll nach dem Berufsleben Struktur geben?

  • Wie fit ist der Plan für Phasen von Trauer, Krankheit oder geringerer Mobilität?

  • Welche Rolle spielen Familie, Ehrenamt, Lernen und Bewegung für das persönliche Bild eines erfüllten Alters?

Finanzplanung für ein gutes Leben

Das Leben hat viel zu bieten. Damit sich alle Lebensträume erfüllen lassen, ist finanzielle Sicherheit wichtig. Egal, ob es um den Vermögensaufbau oder die finanzielle Planung der Pension geht.

Quellen:

My Standard Life

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