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Ruhestandsplanung

Viele Österreicher ab 50 kennen zwar ihr Pensionskonto. Doch nur wenige rechnen Einnahmen und Ausgaben für die Pension systematisch durch. Nur rund jeder Fünfte hat einen konkreten Einnahmen-Ausgaben-Plan erstellt. Zwischen Wissen, Problembewusstsein und Handeln klafft eine deutliche Lücke. Die von Standard Life initiierte INTEGRAL-Studie zeigt, wo gute Finanzplanung ansetzen könnte.
40 Prozent sind sehr oder eher zuversichtlich, ihren bisherigen Lebensstandard halten zu können. Männer äußern sich mit 47 Prozent deutlich zuversichtlicher als Frauen mit 33 Prozent. Auch der Übergang in die Pension verändert die Wahrnehmung: Von den bereits Pensionierten sind 49 Prozent zuversichtlich, von den noch Erwerbstätigen nur 32 Prozent.
Gleichzeitig erwarten 58 Prozent gleich hohe oder höhere Ausgaben als im Erwerbsleben. Allerdings ist die Annahme, in der Pension werde automatisch deutlich weniger Geld benötigt, nicht unbedingt und für alle eine tragfähige Planungsgrundlage. Eine gute Finanzplanung sollte deshalb mehrere Ausgabenphasen oder Modelle berücksichtigen. In den ersten Jahren können Freizeit und Reisen stärker ins Gewicht fallen. Später können Mobilitäts-, Gesundheits- und Pflegekosten zunehmen.
62 Prozent der noch nicht pensionierten Befragten kennen den Stand ihres Pensionskontos sehr oder eher genau. Das ist durchaus eine gute Basis. Die Information allein beantwortet aber nicht die entscheidenden Fragen: Reicht das erwartete Einkommen für den gewünschten Lebensstandard? Wie wirken Inflation, Steuern und eine lange Pensionsphase? Und welches Vermögen muss für ungeplante Ausgaben verfügbar bleiben?
Nur 22 Prozent haben einen Plan für ihre erwarteten laufenden Einnahmen und Ausgaben erstellt. 27 Prozent wollen dies noch tun. Mehr als die Hälfte hat dagegen auch künftig keine strukturierte Planung vor. Gute Finanzplanung muss deshalb aus abstrakten Pensionswerten konkrete Lebensentscheidungen machen. Sie zeigt nicht nur, was voraussichtlich vorhanden sein wird, sondern auch, wie sich unterschiedliche Ziele finanzieren lassen.
Von den Befragten, die bereits planen oder dies vorhaben, nehmen 78 Prozent ihren finanziellen Ruhestand selbst in die Hand. 13 Prozent nutzen einen Bankberater, sieben Prozent einen Finanzdienstleister oder Versicherungsexperten. Nur zwei Prozent greifen auf eine digitale Plattform zurück.
Für Finanzplaner ist das weniger ein Vertrauensbeweis in Selbstplanung als ein Hinweis auf ungenutzten Beratungsbedarf. Wer sein Pensionskonto kennt, verfügt noch nicht automatisch über eine belastbare Entnahmestrategie. Eine gute wie holistische Beratung verbindet gesetzliche Ansprüche, privates Vermögen, Versicherungsleistungen und Liquiditätsreserven. Sie macht Zielkonflikte sichtbar und prüft, wie Entscheidungen unter verschiedenen Markt- und Lebensszenarien wirken.
Bei einer Geldanlage für den Ruhestand ist für 60 Prozent die Verfügbarkeit des Geldes besonders wichtig. 46 Prozent nennen die Sicherheit der Anlage, 32 Prozent Flexibilität bei Ein- und Auszahlungen. Eine lebenslange Rente zählt nur für 20 Prozent zu den drei wichtigsten Eigenschaften.
Dieses Sicherheitsbedürfnis spiegelt sich nicht automatisch in der gewünschten Auszahlungsform. 44 Prozent würden das angesparte Kapital bei Pensionsbeginn vollständig beziehen. In der Vergleichsbefragung 2024 waren es 37 Prozent. Nur 18 Prozent bevorzugen aktuell eine lebenslange monatliche Rente. 2024 lag dieser Anteil bei 20 Prozent. Weitere 31 Prozent entscheiden sich für eine Kombination; 2024 waren es 27 Prozent. Für die Beratung entsteht daraus eine zentrale Aufgabe: Liquidität und Flexibilität müssen mit dem Schutz vor dem Risiko eines sehr langen Lebens ausbalanciert werden.
Weitere Unsicherheiten erhöhen den Handlungsdruck. 56 Prozent erwarten bereits innerhalb der nächsten fünf Jahre ein höheres Pensionsantrittsalter. Für 50 Prozent wäre die eigene Pflegebedürftigkeit oder die eines Familienmitglieds eine finanzielle Herausforderung. Zugleich wären nur 16 Prozent bereit, Einbußen bei der eigenen Pension zugunsten künftiger Generationen zu akzeptieren.
Gute Finanzplanung schafft hier Orientierung. Sie beginnt mit dem gewünschten Leben in der Pension und leitet daraus Kapitalbedarf, Einkommensquellen und Reserven ab. Sie bleibt flexibel, wird regelmäßig überprüft und passt sich kontinuierlich an neue Rahmenbedingungen an. Gerade ab dem 50. Lebensjahr ist dafür noch viel Gestaltungsspielraum vorhanden.
40 % | sind zuversichtlich, ihren Lebensstandard in der Pension halten zu können. |
58 % | erwarten gleich hohe oder höhere Ausgaben als im Erwerbsleben. |
22 % | haben einen konkreten Einnahmen-Ausgaben-Plan erstellt. |
51 % | haben auch künftig keine strukturierte Planung vor. |
62 % | der noch nicht Pensionierten kennen ihr Pensionskonto sehr oder eher genau. |
78 % | der Planenden nehmen die Finanzplanung selbst in die Hand. |
44 % | würden das Kapital vollständig beziehen; 2024 waren es 37 Prozent. |
18 % | bevorzugen eine lebenslange monatliche Rente; 2024 waren es 20 Prozent. |
Quelle: INTEGRAL-Studie „Ruhestandsplanung“ im Auftrag von Standard Life; 653 Befragte im Alter von 50 bis 75 Jahren in Österreich, drei Online-Wellen von April bis Mai 2026. Angaben gerundet.
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