loader

Wir verwenden Cookies und ähnliche Technologien, um unsere Webseite zu optimieren. Durch die Nutzung der Webseiten erklären Sie sich damit einverstanden.
Weitere Informationen hierzu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

OK

Login

The Way Forward

03.08.2017
Vorsorge der Zukunft

Pensionssysteme im Vergleich — Beispiel China: von der „eisernen Reisschüssel“ zum „Kümmer-Gesetz“

Das österreichische Pensionssystem ist sicher nicht perfekt, aber in vieler Hinsicht vorbildlich. Das ist aber noch lange kein Grund, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Um regelmäßig den Blick über den Tellerrand zu werfen und eine neutrale Bewertung zu gewährleisten, haben meine Kollegen und ich uns entschieden, im Rahmen einer redaktionellen Reihe die Pensionssysteme anderer Staaten im Vergleich zu betrachten. Ich beginne mit der Volksrepublik China – einem Land, das der komplette Gegenentwurf zum Bundesstaat Österreich zu sein scheint. Mit 1,37 Milliarden Einwohnern auf 9,5 Millionen Quadratkilometern ist das Reich der Mitte gegenüber Österreich mit seinen 8,773 Millionen Einwohnern auf 83.879 Quadratkilometern ein Riese. Während wir in einer Demokratie leben, führt die Kommunistische Partei in China ein autoritäres Regime. Hier herrscht Pressefreiheit, dort Zensur. Doch gerade beim Thema Demografie gibt es Gemeinsamkeiten – und damit auch vergleichbare Herausforderungen.

Das chinesische Pensionssystem

Ursprünglich war das Pensionssystem umlagebasiert und wurde über die regionalen und nationalen Gewerkschaften verwaltet. Das war die Zeit der „eisernen Reisschüssel“, in der die Regierung verlässlich für die symbolische Schüssel Reis im Alter sorgte. Nach dem Untergang der Gewerkschaften im Zuge der Kulturrevolution ging die Verantwortung für die Pensionen ab 1966 auf staatseigene Firmen über. Als sie wiederum im Zuge der Reform- und Öffnungspolitik Chinas in den 1980er Jahren geschlossen oder privatisiert wurden, kam es zu Massenentlassungen. Der Aufbau eines neuen Systems war unumgänglich.
Das heutige chinesische Pensionssystem besteht aus vier Komponenten:

  • einer für Partei- und Regierungsbeamte, das vollständig durch die Regierung finanziert wird

  • dem „grundlegenden urbanen Pensionssystem“, das die Versorgung der Arbeitnehmer der meisten Firmen im städtischen Raum abdeckt

  • dem „neuen ländlichen Pensionssystem“, das 2009 als Pilotprojekt aufgesetzt wurde und die Etablierung eines Pensionssystems auf freiwilliger Basis in ländlichen Gegenden anstrebt

  • den „urbanen sozialen Pensionen“, einem weiteren, 2011 initiierten Pilotprojekt, das ebenfalls auf Freiwilligkeit beruht und jene städtischen Arbeiter absichern soll, die nicht im „grundlegenden urbanen Pensionssystem“ versichert sind

Außer dem ersten System handelt es sich um teilweise kapitalgedeckte Systeme. Die Beiträge, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer einzahlen, werden in einem Fonds aufbewahrt. Die beiden freiwilligen Systeme werden zudem durch die Regierung auf lokaler und zentraler Ebene subventioniert.

Ungleichbehandlung von Stadt- und Landbevölkerung

Was sich zunächst einmal gut liest, funktioniert allerdings nur teilweise. So lag der Schwerpunkt der Reformen der 1980er Jahre zunächst ausschließlich auf dem Aufbau eines urbanen Pensionssystems. Die ländliche Bevölkerung blieb auf der Strecke. Das 2009 eingeführte „„neue ländliche Pensionssystem“ ist wegen der geringen Auszahlraten wie auch fehlender Transfermöglichkeiten allerhöchstens ein Tropfen auf dem heißen Stein. Vom „grundlegenden urbanen Pensionssystem“ werden wiederum nur 55 Prozent der Stadtbevölkerung erfasst, was nicht zuletzt dem lokalen Fehlmanagement anzulasten ist. Da die Gelder des Fonds zur Auszahlung laufender Pensionen genutzt wurden, schrumpfte der Topf auf 10 Prozent seines Volumens. Eine vertrauensbildende Maßnahme sieht anders aus.*

Der Megatrend Silver Society gilt auch für China

Nach offiziellen Angaben des nationalen Statistikbüros werden im Jahr 2040 329 Millionen Chinesen über 65 Jahre alt sein. Dass es nicht noch mehr sein werden, ist zum einen das Ergebnis der staatlich verordneten, erst 2015 beendeten Ein-Kind-Politik. Zum anderen verlassen gerade viele kluge, gebildete Köpfe mit Gestaltungspotenzial das Land. Der Grund: Die Generation Y tickt nicht systemkonform. Zwar studieren schon seit den 1970er Jahren viele junge Chinesen im Ausland. Bisher kamen aber viele von ihnen nach Abschluss ihres Studiums wieder zurück. Einem Großteil derer, die in der Fremde Kritikfähigkeit gelernt und freiere Umgangsformen erlebt haben, wird jedoch das selbst gewählte Korsett zu eng. Also verlassen sie die Heimat erneut, siedeln sich fern vom Reich der Mitte an und dünnen so die Bevölkerungspyramide weiter aus.

Der 4-2-1-Code

In China ist es traditionell Aufgabe der Jungen, für die Alten zu sorgen. Das bedeutet seit Einführung der Ein-Kind-Politik: Ein Kind muss sich um zwei Eltern und bis zu vier Großeltern kümmern. Das ist angesichts einer zurückgehenden Geburtenrate und einer eindeutigen demografische Entwicklung in absehbarer Zeit nicht mehr darstellbar. Zumal viele junge Menschen weit entfernt vom Heimatdorf Jobs angenommen haben und es gerade einmal im Jahr nach Hause schaffen. Mit dem im Jahr 2013 erlassenen „Gesetz zum Schutz der Rechte und Interessen älterer Menschen“ wird die Tradition zur Pflicht erhoben. Demnach müssen Kinder über 60-jähriger Eltern sie regelmäßig besuchen. Das Freikaufen durch einen monatlichen Finanzbetrag ist nicht gestattet. Die erste Klage kam dann auch schon eine Woche nach Gesetzeseinführung. Die Tochter der 77-jährigen Klägerin wurde prompt zu zwei Besuchen pro Monat und finanzieller Unterstützung verdonnert. Ob das fair ist, sei dahingestellt. Letztlich schindet die Regierung damit Zeit, um neue Systeme und Lösungen – wie das Anheben des Pensionsalters, die Förderung von Pensionsfonds oder die Einführung staatlicher Zuschüsse zur Gesundheitsversorgung – zu etablieren.**

Der Vergleich mit Österreich

Im – zugegebenermaßen groben – Vergleich zeigt sich deutlich, wie ausgereift das österreichische Pensionssystem im Gegensatz zum chinesischen ist. Es fußt auf einer Erwerbstätigenversicherung, in die alle einzahlen – auch Selbständige und Geringverdiener ab einem Einkommen von rund 450 Euro. Der Beitragssatz zur gesetzlichen Pension liegt bei 22,8 Prozent, wobei auf den Arbeitgeber 12,55 Prozent und auf den Arbeitnehmer 10,25 Prozent entfallen. Wer will – und das gilt ebenfalls für alle Berufstätigen –, kann eine staatlich geförderte Prämienbegünstigte Zusatzpension abschließen. Darüber hinaus gibt es ein differenziertes Angebot an privater Pensionsvorsorge, wo zu auch das unsrige zählt.
Wie man diese Komponenten ideal kombiniert, um im Alter den gewohnten Lebensstandard beibehalten zu können, hängt von der individuellen Situation ab. Und natürlich vom persönlichen Einkommen. Das ist aber in manchen Fällen nicht hoch genug, um angemessen vorsorgen zu können. Etwa bei Frauen, die in Teilzeit oder in Branchen mit geringem Einkommen arbeiten (ist häufig der Fall) oder bei Menschen, die längere Zeit arbeitslos sind. Weshalb auch österreichische Bürger von Altersarmut bedroht sein können. Eine Baustelle bleibt unsere umlagebasierte gesetzliche Pension angesichts der demografischen Entwicklung dennoch. Setzt man einen unveränderten Status quo voraus, dürften die Pensionen in immer geringerem Umfang durch die laufenden Beiträge gedeckt sein. Zur Sicherung der Nachhaltigkeit sind auch hier Reformen unerlässlich. In China ist die Situation ungleich schwieriger. Viele Menschen verdienen immer noch weniger als 500 Yuan (etwa 50 Euro) monatlich. Private Vorsorge? Ausgeschlossen. Die Versorgung durch die Kinder ist auf Sicht kein Pensionsersatz. Mein Fazit: Um jedem Menschen in der größten Volkswirtschaft der Welt eine angemessene Pension zu sichern, sind noch viele Reformen nötig. Zudem erfordert dies angesichts der Größe des Landes einen enormen Kraftakt.***

 

* Quelle: ICCPORTAL, China-Portal für Wirtschaft und Kultur
** Quelle: China Report 2017, Zukunftsinstitut
*** Quelle: https://www.altersvorsorge-heute.de/altersvorsorge-china/

 

Das könnte Sie auch interessieren

Seite

Fit für den Brexit!
Schottisches Gericht gibt grünes Licht für unser Vorhaben

Das schottische Gericht hat unseren Antrag genehmigt. Wir beginnen jetzt damit, unsere Versicherungsnehmer zur geplanten Übertragung zu informieren. Die wichtigsten Dokumente, sämtliche Informationsmaterialien sowie Antworten auf relevante Fragen finden Sie auf dieser speziell für Sie aufbereiteten Website.

News

13.11.2018

Vorsorge-News

Berufsunfähig werden doch nur andere. Und wenn nicht?

Es trifft mehr, als die meisten denken: Fast jeder Vierte wird später von Berufsunfähigkeit betroffen. Neben finanziellen Einbußen geht damit oft auch der erste Schritt in die Altersarmut einher, da einfach nicht mehr genug gespart werden kann. Warum das nicht so sein muss und wie Sie Ihre Kunden dahingehend gut beraten können, zeigen wir Ihnen gern.


Presseartikel

09/2018

Standard Life: Priorität auf Unterstützung des unabhängigen Vertriebs

ASS Compact Österreich

Der Vorsorgemarkt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Die Niedrigzinsphase hat die Produktwelt nachhaltig verändert. Klassische Produkte verlieren immer mehr an Bedeutung und die Auswahl der passenden Lösung ist deutlich komplexer geworden. Auch die zunehmende Regulierung bringt für Vermittler und Versicherungsunternehmen immer wieder neue Veränderungen. Zusätzlich hat Standard Life mit dem Brexit eine weitere Herausforderung zu meistern. Wir haben in den vergangenen Monaten sehr intensiv daran gearbeitet, für unsere Vertriebspartner und Kunden passende Lösungen zu entwickeln.

My Standard Life

Ihr Login zu mehr Komfort

My Standard Life ist Ihr persönlicher Kundenbereich. Hier finden Sie aktuelle Informationen zu Ihren Verträgen.

Passwort vergessen?

Berater­finder

Berater suchen

Finanzberatung geht mit einer hohen Ver­antwort­ung einher. Deshalb sind wir bei der Auswahl unserer Vertriebspartner sehr kri­tisch. Es handelt sich bei ihnen ausschließlich um Finanz­berater, die an keinen Versicherer gebunden sind.

Schnellzugriffe für My Standard Life